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Digitalisierung des S-Bahnhofes

Von Benno Huber, 25. September 2016.

Der Bahnhof „Bad Pattberg Süd“ oder auch S-Bahnhof war der erste Bahnhof unserer Modulanlage, der vollständig auf vollautomatische Digitalsteuerung umgerüstet wurde.
Mit seinem einfachen Gleisbild war er prädestiniert als „Versuchsbahnof“, um die neue Technik auf kleinem Maßstab auszutesten. Den im Prinzip wird jeder Bahnhof gleich ausgestattet: Digitaldecoder zur Ansteuerung der Signale und Weichen, Rückmelder für alle Gleisabschnitte sowie eine eigene Stromversorgung für Nord-/ Südgleis und Zubehör.
Am Anfang steht natürlich die Planung: In der von uns verwendeten Steuerungssoftware Rocrail wird der Plan samt den gewünschten Signalen, Weichen, Meldeabschnitten und Blöcken erstellt. All diese Elemente und mehr müssen dann im nächsten Schritt auch elektronisch auf der Anlage realisiert werden:

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Im Versuch, chronologisch den einzelnen Schritten der Umrüstung zu folgen, beginnen wir mit dem Einbau der Standardverkabelung (siehe auch Artikel Modulverkabelung): durch jedes Modul wird sowohl der Digitalstrom für Nord-/Südgleis sowie Zubehör gelegt, zusammen mit dem Xpressnet-Bus für das Digitalsignal sowie dem Loconet-Bus für die Rückmelder.

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Ein wiederverwendetes Netzteil liefert den Strom für den S-Bahnhof. Mithilfe von Spannungsreglern werden die Spannung des Netzteils auf 16V für die Fahrstrombooster bzw. 18V für den Zubehörbooster gebracht. Die Booster sind wie fast alle elektronischen Bauteile Marke Eigenbau, in diesem Falle eine abgewandelte Form des Designs von Wolfgang Kufer (Link: OpenDCC.de). Mithilfe der getrennten Stromversorgung wird die Betriebssicherheit erhöht und zudem auch das höhere Spannungsniveau für die Weichen ermöglicht, das für sicheres Durchschalten sorgt. Auch die Kurzschluss- und Spannungsmeldung mithilfe des Loconet-Systems trägt hier zur Betriebssicherheit bei.

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Als nächstes folgt der Einbau der Decoder für das Zubehör. Die Selbstbau-Decoder nach dem Design von Sven Brandt (Link: Digital-Bahn.de) steuern Weichen, Signale und in Zukunft vielleicht auch die Innenbeleuchtung der Häuser, die gerade auf den Modulen platziert werden.

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Als letztes (und zeitaufwendigstes) folgt noch der Einbau und Anschluss der Rückmelder. Bis zu drei Meldeabschnitte pro Block stellen den reibungsfreien Automatikbetrieb sicher und wollen natürlich auch angeschlossen werden. Also müssen Trennstellen gesetzt werden, neue Anschlusskabel angelötet werden und auf einen der Loconet-Melder gelegt werden. Getrennt für Nord- und Südgleis sind jeweils drei Melderplatinen zu 4 Meldeabschnitten an ein LocoIO angeschlossen, das die Belegt-Meldungen über den Loconet-Bus weitergibt (mehr Infos zum Loconet-System gibt es auf der Seite des Erfinders: Link). Die modifizierten und im Eigenbau zusammengelöteten Bauteile werden getrennt mit Strom versorgt.

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Der Einbau der elektronischen Bauteile sollte auf jeden Fall von einer sauberen Dokumentation begleitet werden. Ohne vollständige und korrekte Belegungslisten können spätere Änderungen oder Troubleshooting zum absoluten Albtraum werden. Und aus schmerzlicher Erfahrung können wir versichern, dass – vor allem bei einer größeren Anlage – selten alles von Anfang an wie gewünscht funktioniert. Ein hoher Grad an Standardisierung hilft hier selbstverständlich auch.

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Die Digitalisierung endet aber nicht mit dem Einbau der Hardware. Zum einen müssen Decoder und Rückmelder noch programmiert werden, zum anderen muss auch noch der Gleisplan in Rocrail entsprechend konfiguriert werden. Adressen müssen vergeben werden, Melder und Signale den Fahrstraßen zugeordnet werden usw.

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Nach vielen Arbeitsstunden (und einigen Rückschlägen) war die Digitalisierung des S-Bahnhofs schließlich abgeschlossen. Zusammen mit dem ebenfalls digitalisierten Zugspeicher konnten wir so im Januar 2016 zum ersten Mal unsere große Modulanlage im Vollautomatischen Betrieb der Öffentlichkeit präsentieren. Und obwohl auch dort der Betrieb erst nach mehreren nervenaufreibenden Stunden der Fehlersuche gestartet werden konnte, sind wir nicht ohne Stolz auf den technischen Fortschritt, der dank der Digitaltechnik jetzt auf – und unter - unserer Anlage stattfindet. Denn obwohl man bis auf den Bediencomputer der Anlage das digitale Innenleben kaum ansieht, ohne unter die Module zu kriechen, zeugen schöneres und realistischeres Fahrverhalten, vielfältigerer und interessanterer Betrieb sowie ein der geringere Personalbedarf während des Betriebs von unsere Arbeit.